Peru – meine Anreise und ersten Tage in Peru

Seit dem 19.Juni, also genau 6 Monate nach dem Unfall, bin ich wieder on Tour. Wie üblich beginne ich mit einer kleinen Tour durch Deutschland und bringe erst einmal Steffen sein Motorrad nach Flieden, das liegt bei Fulda, zurück. Er hat mir seine 800 GS -mit 130000 km  auf dem Tacho- geliehen, damit ich nicht unter Motorradentzug leide. Für mich war es allerdings  auch wichtig, zu sehen, wie ich mit den drei Platten im Fuß und zwei Platten im rechten Arm beim Fahren zurecht komme- hat geklappt, und aus Österreich hat Steffen nur eine freundliche Aufforderung zur Zahlung einer Geldstrafe für zu schnelles Fahren erhalten-

so sollte man nicht Motorradfahren- mit Steffen seiner 800er

Nach Flieden ging es über Oldenburg und Verden nach Hamburg, um mich von meinem Sohn zu verabschieden. Ein Sonnenuntergang an den Landungsbrücken ist ein würdiger Abschied von Deutschland. Das weltbekannte Schwimmdock von Blohm und Voss hat ein großer, vielleicht der größte Internetversand als Werbefläche entdeckt, ohne seinen Firmennamen zu nennen. doch jeder weiß, wer hinter der Werbebotschaft steckt.  Der Schriftzug von Blohm und Voss hat mir besser gefallen.

Am Mittwoch dann, nach nur drei Stunden Schlaf, endlich der Abflug von Hamburg über London nach Lima. Wer versteht den Irrsinn der Flugpreisgestaltung? Ein Hin und Rückflug ist erheblich preiswerter als ein einfacher Flug. So werde ich den Rückflug stornieren.  Bei Lufthansa gab es nichts zurück, bei Air France immerhin 25 Euro. Falls ich einen Grund angeben sollte, dann werde ich vermutlich das Essen während des Fluges nennen. Ich glaube, British Airways wollte alle Vorurteile gegenüber der englischen Küche bestätigen. Es war das lausigste Essen, dass ich jemals auf einem Langstreckenflug hatte. Immerhin sind wir pünktlich in Lima angekommen. Auch die Immigration arbeitete zügig, so dass ich bald im Taxi zu meinem Hotel saß. Von dort waren es nur wenige Meter zum Plaza San Martin, also mitten im Herz von Lima.

schöne alte Bauten mitten im Zentrum von Lima, und doch dem Verfall preisgegeben

auf der Plaza San Martin in Lima, Bühne für Redner

der Platz San Martin ist gesäumt von Prachtbauten

Da am Freitag in Tarapoto ein lokaler Feiertag war habe ich den Weiterflug mit Peruvian Airlines auf den Sonntag verschoben.

aus Wikepedia:Im August 2011 wurde der Gesellschaft aufgrund massiver Sicherheitsbedenken ein Flugverbot von zunächst 90 Tagen auferlegt, um Mängel beseitigen zu lassen. Dem vorausgegangen waren eine Notlandung sowie ein Vorfall,  bei dem an einer abgestellten Maschine ein Triebwerk ohne weiteres Zutun abfiel.

Aber das ist Vergangenheit. Heute zählt sie zu den besten Regionalairlines Südamerikas. Während des Fluges ließ ich die Schönheit, aber auch die Kargheit der Hochanden auf mich wirken.

Flug über die Anden, hier in den Tropen auf ca 12 Grad Süd

Am Sonntag nachmittag konnte ich dann erstmalig mein Motorrad in Augenschein nehmen. Im ersten Moment sah es ja recht gut aus. Nur die Alu-Koffer waren in einem erbärmlichen Zustand. Ich hatte so meine Zweifel, ob die wieder zu richten waren. Doch Alfonso, Mariannes Mann, war da ganz zuversichtlich. Sie hätten da eine Empfehlung von einem guten Bekannten. Ganz so glimpflich, wie erst angenommen, hat die Maschine den Unfall doch nicht überstanden. Beim Abbau des Tanks sah man dann doch einige weitere Schäden und auch der Zusatztank war am Ventil undicht, da dieses gebrochen war.

gebrochene Halterung des Zusatztank

mein Motorrad auf dem Weg zu Randhy

Doch die Schäden konnten behoben werden. In der Zwischenzeit habe ich Dr. Perez in Moyobamba besucht. Dr. Perez hat mich in seiner Klinik nach meinem Unfall behandelt.

Ich habe das Gefühl, in Peru wird nur gefeiert. Der erste Feiertag war bereits in Lima. In Tarapoto gab es dann den regionalen Feiertag für die Bewohner des Regenwaldes und hier in Moyobamba findet jedes Jahr in der letzten Juni Woche das Fest  San Juan statt. Und weil es sich so schön feiern läßt wurde der Peter und Paul Tag am 29.6 auch gleich genutzt. Kapellen zogen durch die Stadt und auf der Festmeile wurde nach lauter Livemusik getanzt. Im laufe des Tages wurden, analog unserem Maibaum, Bäume aufgestellt, die in der Spitze irgendwelche Verzierungen hatten. In der Nacht wurde dann um die Bäume getanzt und zum Abschluss wurde sie gefällt, woraufhin alle Kinder sich auf die Verzierungen stürzten. Vielleicht waren da ja Süßigkeiten eingewickelt? Keine Ahnung, doch nur auf ein buntes Stück Papier stürzt sich kein Kind mit solchem Ehrgeiz.

Straßenumzug in Moyobamba

Mit Dr. Perez habe ich noch kleine Ausflüge in der Region gemacht und auch in einer heißen Therme, nur wenige Kilometer außerhalb von Moyobamba, gebadet.

kleines Wiedersehen und Abschiedsessen in der Klinik in Moyobamba

Zurück in Tarapoto ging es dann in die Werkstatt von Rahndy, dem Mechaniker. Wer da mal in der Gegend ein Problem mit dem Motorrad hat, dem kann ich die Werkstatt von Rahndy empfehlen. Normalerweise schraubt er an kleineren Maschinen und Crossmaschinen, doch war mein  Motorrad nicht die erste größere Maschine, die er reparierte.

Fähre über den Rio Huallage bei Tarapoto

Und nachdem ich die ersten 14 Tage quasi als Urlauber verbracht habe, ging es dann -endlich- los.  Irgendwann in 7 oder 8 oder ? Tagen will ich mich mit Joanna und Joshua in Cusco treffen. Sie haben  ihre Brasilien und Bolivienrundreise hinter sich und entspannen gerade in La Paz. Für mich waren es ca 1800 km, also ein erster Test für Mensch und Maschine. Die Route führte mich erst durch den Regenwald am Rande der Anden entlang. Die Straße ist überwiegend in einem guten Zustand. Auf ca 100 Kilometer führt sie noch über eine unbefestigte Strecke, doch waren überall Vermessungstrupps unterwegs, so das ich davon ausgehe, dass auch dieser Abschnitt bald asphaltiert ist. Mit einer auch für Pisten gut geeigneten Maschine mag man die Entwicklung bedauern, doch für die Bewohner bedeutet es eine erhebliche Verbesserung der Lebensumstände. Vielleicht kommt mit der Straße dann sogar etwas Wohlstand in diese abgelegene Region.

Ackerbau an den Hängen

Bald ging es dann wieder in das Hochgebirge und auch Pässe über 4000m gehörten zum Alltag. Hier im Hochgebirge waren die Straßen gut ausgebaut und es gibt sogar eine Bahnlinie, die auch noch in Betrieb ist. Den Grund erfuhr ich bald. Hier  gibt es einige Bergwerke und die Bahn wird für den Gütertransport genutzt. Auf über 4000 m war es lausig kalt und es ging ein ordentlicher Wind.

die Straßen in Peru sehen leider oft wie Müllhalden aus, hier ein sogen. Parkplatz auf ca 4200m Höhe

und dann natürlich das Bilderbuchperu

Ich frage mich immer wieder, wie man in dieser Höhe körperlich arbeiten kann. Doch angeblich gewöhnt sich der Körper an die dünne Luft und man ist in dieser Höhe dann voll leistungsfähig. Das gilt vermutlich nicht für mich, denn ab 3500 m Höhe geht mir ratz fatz die Puste aus. Doch die nächsten 3 bis 4 Wochen werde ich mich wohl überwiegend in dieser Höhe aufhalten. Mit Johanna und Joshua habe ich mich dann etwas außerhalb von Cusco getroffen. Nach zwei gemeinsamen Tagen trennten sich dann wieder unsere Wege, die beiden nach Norden und ich nach Süden, nach Bolivien. In Peru machte ich noch einmal Stopp in Puno am Titicacasee um danach die Ausreise aus Peru in Angriff zu nehmen.

Frau geht nicht ohne Hut, Uros Frau auf dem Titicacasee

bei den Uros auf dem Titicacasee

Aluboote mit Außenborder haben die Schilfboote fast vollständig abgelöst

und weil der Titicacasee so schön ist, hier noch einmal mit einigen 6000er im Hintergrund

Ein wenig gespannt war ich schon, ob der Zoll das Schreiben, in dem mir  bzw. meinem Motorrad ein verlängerter Aufenthalt in Peru genehmigt wird, auch akzeptiert.

Bis demnächst

Gerd

 

PS.: Bilder kommen in ein paar Tagen


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